Metafrastis

Translating this digital life

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„Das Buch als Buch gehört dem Autor, aber als Gedanke gehört es – der Begriff ist keineswegs zu mächtig – der Menschheit. Jeder denkende Mensch hat ein Recht darauf. Wenn eines der beiden Rechte, das des Autors oder das des menschlichen Geistes, geopfert werden sollte, dann wäre es, zweifellos, das Recht des Autors, denn unsere einzige Sorge gilt dem öffentlichen Interesse, und die Allgemeinheit, das erkläre ich, kommt vor uns.“

– Victor Hugo

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Wo bleibt da der Mensch?

Ich musste heute einige Stunden in der Vergangenheit arbeiten: Kurse waren in einer Software namens Evento Office zu erfassen. Nach diesem Aufenthalt im dunklen Mittelalter des Computerzeitalters musste ich zuerst etwas Dampf ablassen und habe in Facebook etwas über Dante und die Hölle gepostet. Am Abend war mein Kopf frei, um mir Gedanken darüber zu machen, was das Problem an dieser Software ist. Weshalb ich hier wieder einmal etwas veröffentliche.

Evento wurde (siehe Bild) offensichtlich Mitte der 90er geschrieben, als Bildschirmplatz rar war und solche Software in erster Linie von Personen benutzt wurde, die darin geschult waren, sich der Denkweise von Programmierern anzupassen.
Der Graben zwischen Windows und dem Mac war damals noch deutlich grösser als heute, wo sich die zwei Systeme in vielem angenähert haben. Apple hatte schon damals eine “Human Interface Group”, deren einzige Aufgabe darin bestand, Kriterien aufzustellen, denen benutzerfreundliche Software zu genügen hatte. Diese Regeln wurden nicht nur bei Apple intern umgesetzt, sondern jedem Mac-Entwickler mehr oder weniger aufgezwungen durch sehr restriktive APIs (Programmierschnittstellen), welche ihn stark einschränkten.

Die wichtigsten User-Interface-Grundsätze waren:

1. Auf Komplexität musste soweit wie möglich verzichtet werden, Unnötiges war zu entfernen. Die Maus hatte nur einen Knopf, ein Programm keine versteckten Funktionen oder Dialoge, der Computer führte nicht mehrere Funktionen aufs Mal aus (das war anfangs wegen Speichermangel technisch bedingt, später aber eine Designentscheidung. Die glücklose Mac-Vorgängerin Lisa war dazu nämlich durchaus in der Lage).

2. Wo es nicht möglich war, auf Komplexität zu verzichten, musste sie nutzerfreundlich verpackt werden, indem die vielen Funktionen logisch sortiert wurden und nach Wichtigkeit hierarchisch in offenen Paletten und Symbolleisten, Menüs und Dialogen versorgt, jedoch nie mehr als 1-2 Klicks entfernt waren.

3. Das Interface eines Programms war so zu gestalten, dass es sich nach dem Arbeitsablauf richtete und nicht dem Nutzer einen Arbeitsablauf aufzwang. Die Funktionen mussten so platziert sein, dass sie intuitiv zu finden waren. Dies wurde erreicht, indem erstens programmübergreifend gleiche Funktionen an der gleichen Stelle zu finden waren und zweitens Menüs und Tasten immer so beschriftet waren, dass ihre Funktion sofort klar war. (Auf die Frage “Dokument sichern?” also “Sichern” und “Nicht sichern” und nicht “OK” oder “Abbrechen”).

4. Gleiches musste gleich heissen und aussehen, Unterschiedliches unterschiedlich.

Hinter diesen Designgrundsätzen stand die Philosophie, dass die Maschine in einen Dialog mit dem Nutzer treten sollte, ihn bei seinen Aufgaben unterstützen und nicht verwirren sollte. Dies klappte in der Regel gut, auch wenn sich nicht alle Programmierer (selbst bei Apple) immer daran hielten. Der Mac war vergleichsweise einfach zu bedienen, konsistent und vorhersehbar.

Und dann war da Windows… Microsoft hatte keine Human Interface Group. Ihre Philosophie bestand darin, dem Nutzer ein Maximum an Funktionalität zu bieten. Programmierer hatten freie Hand in der Gestaltung ihrer Software. Das Hauptverkaufsargument war die Funktionsvielfalt. Ende der Neunziger, zur Blütezeit dieser Philosophie, wurden beispielsweise bei Word so viele Funktionen, Tasten und Symbole auf dem Bildschirm untergebracht, dass bei vollem Kriegsschmuck mehr als die Hälfte des Bildschirms damit vollgestopft war und man kaum noch Platz zum Schreiben hatte. Wer heute MS Word und Apples Pages vergleicht muss feststellen, dass diese fundamentalen Unterschiede in der Auffassung einer Benutzerschnittstelle zwischen Apple und Microsoft immer noch bestehen, auch wenn sich die Situation durch die viel grösseren Monitore entschärft hat. Immer noch bietet Word jede nur erdenkliche Funktion an, während Pages sich auf die 20% davon beschränkt, die 95% der Nutzer in der Regel brauchen. Aber im grossen Ganzen hat Windows aufgeholt, was die Benutzerfreundlichkeit betrifft, Microsoft versucht mit Windows 8 sogar einen mutigen und radikalen Schritt in Richtung Vereinfachung.

Und dann ist da Evento Office… an dem bald 20 Jahre Fortschritt scheinbar spurlos vorbei gegangen sind. Die Software hat in dieser Zeit sicher unglaublich viele Funktionen dazu gewonnen und tut fast alles, was man von ihr verlangt. Nur kommt sie mir vor wie ein Riese auf tönernen Füssen, mit fünf zu kleinen Händen an drei Armen und zwei Köpfen, die in unterschiedliche Richtungen schauen.

Evento ist die codegewordene Inkonsistenz. Einige Beispiele:

1. Je nach Kontext sucht man den gleichen Raum entweder und ausschliesslich mit:
- J030
- LAA-J030
- %J030%
- oder findet ihn nur über die Liste der Medienräume.

2. Wenn man nach “Meier” sucht erhält man an einer Stelle im Programm eine Liste mit 25 Personen, an anderer Stelle werden einem 85 Einträge aufgelistet, zum Teil doppelt.

3. Der Status einer Veranstaltung kann aus 5 Möglichkeiten gewählt werden. Dies geschieht über zwei Tasten mit Pfeilen [], welche beide den genau gleichen Auswahldialog öffnen, statt zwischen den Möglichkeiten zu wechseln.

4. Um einen Kurs anzulegen, müssen relativ wenige Angaben gemacht werden. Es sind knapp zehn Angaben nötig. Dazu müssen fast ebenso viele Dialoge geöffnet, einzeln gesichert und Einträge wie beispielsweise die Kursleitung zwei- oder dreifach vorgenommen werden. Was in einem gut durchdachten Dialog eine Sache von 2 Minuten wäre, dauert so fast zehn Minuten. Und danach muss man alles dreimal überprüfen, weil man das Gefühl hat, irgendwo irgendwas vergessen zu haben und überhaupt keine Übersicht hat.

5. Die unglaublich vielen Eingabefelder verteilen sich über ein Dutzend Tabs in zwei Reihen (welche zu den grössten Interfaceverbrechen gehören, die Microsoft zu verantworten hat). Sie sind auf dem Bild im oberen Drittel zu sehen und wechseln dauernd die Reihenfolge, je nachdem, welches man gerade anklickt. Gleiches ist nie an gleicher Stelle, das für effizientes Arbeiten so wichtige Muskelgedächtnis (das einem erlaubt, ohne viel nachzudenken den Mauszeiger an die richtige Stelle zu bewegen) wird vollkommen ausgespielt, jedes Mal muss man wieder mühsam suchen, wo man nun genau hinklicken muss.

Ich könnte diese Liste noch lange fortführen, es wird nicht besser.
Nun könnte man sagen: Finde dich damit ab, man kann ja damit arbeiten! Wieso ist es so wichtig, wie das Programm aussieht?

Ganz einfach:
- Komplexität erzeugt Unsicherheit und hat Fehler zur Folge. Das ist bei einer Textverarbeitung nicht weiter tragisch, bei einem Programm, das letztlich darüber entscheidet, ob ein Kurs veröffentlicht wird, Studenten Noten erhalten und Dozenten Arbeitsstunden verrechnet bekommen, ist jeder Fehler einer zuviel.

- Schlechtes Interface-Design behindert das Arbeiten, dadurch geht viel Zeit verloren, die in meinem Fall letztlich der Steuerzahler berappen muss. Bei einer Person ist das nicht weiter tragisch, aber wenn man zusammenrechnet, wie viele Nutzer wie viele Stunden im Jahr mit dieser Software arbeiten müssen, wäre das bestimmt ein erkleckliches Einsparpotential.

- Wenn ich mit solcher Software arbeiten muss, rege ich mich fortwährend auf. Und das ist ungesund. Ist einfach so, daran kann ich nichts ändern. Wenige Sachen regen mich wirklich auf und schlechtes (Interface-) Design gehört dazu.

Schliesslich: Dieser Beitrag soll keine Kritik an den ICT-Verantwortlichen sein, welche diese Software heute supporten und unterhalten müssen. Ich weiss, dass es fast unmöglich ist, so eine komplexe Software zu ersetzen, an der fast alle administrativen Prozesse einer Institution hängen. Wir wurden auch vor kurzem informiert, dass die Schwächen bekannt sind und an deren Behebung gearbeitet wird. Dies wird aber Jahre dauern.

Es geht mir persönlich um die Auseinandersetzung mit dem Interface eines Programms und wieso ich damit nicht klar komme. Und es geht mir darum, das Verhalten einer IT-Firma in Frage zu stellen, was die Softwarepflege und die professionelle Weiterentwicklung derselben angeht.
Viele innovative Einmann- und Kleinstunternehmen programmieren heute beispielsweise wenige Franken teure iOS-Apps, in denen unendlich viel mehr Liebe zum Detail steckt, in denen merkbar Stunden, Tage und Wochen ebenso wie viel Denkarbeit in die Optimierung der Benutzerschnittstelle geflossen sind und die man deswegen schlicht gerne benutzt. Wer stehen bleibt und sich nicht entwickelt hat keine Zukunft. Vielleicht wird Evento ja irgendwann das Schicksal von DELL und Blackberry teilen und irrelevant werden.
Man kann ja träumen…

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iPad: Bessere Office-Kompatibilität in Pages, Keynote und Numbers

Letzte Nacht hat Apple für alle seine iWork-Apps auf iOS ein Updates veröffentlicht. Diese bieten in erster Linie eine bessere Kompatibilität zu MS Office-Dokumenten.

Keynote unterstützt beispielsweise deutlich mehr animierte Folienübergänge. Da diese in PowerPoint und Keynote jedoch anders heissen, hat Apple ein hilfreiches Supportdokument online gestellt, das die Übergänge in beiden Programmen gegenüberstellt.

An dieser Stelle sei erwähnt, was für eine hervorragende  Software Keynote ist, in vielem PowerPoint deutlich überlegen und trotzdem vielen Mac-Nutzern noch viel zu unbekannt.

Und mit einem Preis von 20 Fr. im AppStore auch durchaus erschwinglich.

Abgelegt unter Keynote Apple Support

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Smartphones drängen Digitalkameras zurück

Digitalkameras scheinen ihren Zenit überschritten zu haben. Während der Absatz an digitalen Foto- und Videokameras seit einiger Zeit zurückgeht, nutzen immer mehr ihr Smartphone als primäre Kamera. Die verlinkte Untersuchung (aus UK) besagt, dass von den 80% der Konsumenten, die eine Digitalkamera besitzen, 40% ausschliesslich eine digitale Kompakt- oder Spiegelreflexkamera besitzen, während 45% (auch) das Smartphone nutzen.

Dieser Trend hat sich in den letzten Jahren deutlich abgezeichnet, die Geschwindigkeit, mit der dedizierte Digitalkameras von den qualitativ noch nicht ganz vergleichbaren Taschencomputern verdrängt werden überrascht allerdings.

Flickr zeigt diese Entwicklung schon seit längerem sehr schön (hier das Diagramm für die letzten 12 Monate):

Kompaktkameras sind in den Top 5 schon gar nicht mehr vertreten, die am meisten benutzten Kameras sind entweder iPhones oder Spiegelreflexkameras.

Ich vermute, dass digitale Kompaktkameras sich über kurz oder lang auf einen Nischenmarkt zurückziehen werden. Konsumenten brauchen entweder eine einfache, portable Kamera, oder eine, die wirklich gute Bilder macht. Im ersten Segment sind Smartphones unschlagbar, weil sie bald jeder sowieso immer dabei hat und die Bildqualität sich stetig verbessert. Im zweiten Segment werden sich Spiegelreflexkameras auf voraussehbare Zeit behaupten, schon nur weil die viel grösseren Sensoren und Wechselobjektive ein Garant für Qualität und kreative Möglichkeiten sind.

Der Grund, weshalb Smartphones immer beliebter sind, liegt auch im Nutzungsverhalten. Die ersten 5 Sachen, die Fotografen mit ihren Bildern heute machen, sind:

  • Auf den Computer sichern: Das geht mit dem Smartphone (zumindest mit iPhone und iCloud) automatisch. Sobald das Bild gemacht ist, wird es über die Cloud automatisch an den Computer geschickt. Wenn ich iPhoto oder Aperture öffne, sind die Bilder schon da. Keine Kabelstöpselei, keine Kompatibilitätsprobleme.
  • Per Mail versenden: Am Smartphone eine Sache von einem Klick, ohne dass die Bilder zuerst am Computer geöffnet werden müssen.
  • Auf Soziale Netzwerke hochladen: Auch das geht am Smartphone viel schneller, inklusive GPS-Daten können die Bilder direkt aus der App zu Facebook oder Twitter geschickt werden.
  • Zuhause ausdrucken: Dies ist der erste Punkt, bei dem Smartphone und Digitalkamera gleichziehen. (Wer einen HP-Drucker mit ePrint hat, kann aber schon von unterwegs per Email das Bild an seinen Drucker zuhause schicken. In diesem Fall wäre das wieder ein Punkt für das Smartphone.)
  • Auf CD/DVD brennen: Wieder ein Unentschieden, aber bis in wenigen Jahren kein Thema mehr. Macs mit DVD-Laufwerk zu finden ist jetzt schon schwierig.

Meine EOS 7D werde ich nicht so schnell weglegen, aber meine Kompaktknipse (Canon S95) wurde schneller als gedacht überflüssig.